Archive for Juni 2011

Helfen durch Konsum? Kongress Marketing Innovationen 2011

Bürger, Politiker, Kunden, Mitarbeiter – sie alle fordern von Unternehmen, sich zu engagieren. Gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, ihre Umweltverschmutzung einzudämmen, faire Löhne zu zahlen. Wenn die Unternehmen damit wiederum werben, geraten sie schnell in die Kritik. Greenwashing sei das, Weiterlesen »

Steward Brand steht alleine da

Mitte April veröffentlichte die FAZ ein Interview mit Steward Brand, einem “Urgestein der amerikanischen Öko-Bewegung”, wie die Zeitung formulierte. Früher kämpfte Brand gegen die Atomkraft, inzwischen hält er “die Reduzierung der Treibhausgase für das drängendste Problem der Menschheit”, und um dieses Problem zu lösen, dürfe man die Laufzeiten der AKWs nicht verkürzen. Die Risiken der Kernkraft seien nicht so groß, als dass man – wie Deutschland derzeit – den kompletten Ausstieg beschließen müsste, so Brand. “Ihr Deutschen steht allein da.” Weiterlesen »

Aufklärer gesucht – Reaktionen auf die WWF-Doku

Wenn NGOs mit Unternehmen an einen Tisch kommen oder kooperieren, kommt es fast zwangsläufig zu Spannungen, meistens auf beiden Seiten: Die Manager scheuen das Gespräch mit den Kritikern, deren Ziel es häufig ist, unethisches Handeln des Konzerns aufzudecken und öffentlich zu machen; die Vertreter der NGOs hingegen befürchten, von ihren Mitgliedern und Spendern abgestraft zu werden für ihren zu milden Kurs gegenüber der Wirtschaft.

Eine Umweltorganisation, die derartige Berührungsängste noch nie hatte, ist der WWF. Die NGO, die mit dem Panda wirbt Weiterlesen »

Erste Wasserstoff-Tanke bei Shell

Wer hat die beste Lösung für die Mobilität der Zukunft? Die Autohersteller setzen auf die unterschiedlichsten Konzepte, wobei das Thema Wasserstoff-Antrieb bislang oft unter die Räder kam. Nun drückt man aufs Gas. Die Shell Deutschland Oil GmbH hat jetzt in Berlin im Rahmen der Clean Energy Partnership (CEP), ein Zusammenschluss internationaler Unternehmen, ihre erste Zapfsäule (Sachsendamm) eingeweiht, die Pkws und Busse mit Brennstoffzellen künftig mit dem nötigen Treibstoff versorgen soll. Weiterlesen »

Alles im grünen Bereich?

„Wozu grün und fair – Hauptsache Handys sind smart, schnell und schick!?” Unter diesem Titel steht die derzeit laufende Online-Diskussion auf www.diskutiere.de. Thema des offenen Dialogs – initiiert von Telefónica Germany gemeinsam mit dem gemeinnützigen Verein UPJ e.V. – ist die Frage, ob und wie ein nachhaltiger Konsum und Lebensstil im Zeitalter von Smartphones, Apps & Co. möglich ist.

Im Rahmen des Dialogs soll Weiterlesen »

“Hoffnungen nicht alle erfüllt” – Bundeskanzlerin beim RNE 2011

Erst Stille im Saal, dann verhaltener Applaus – die Begrüßung war nicht gerade stürmisch, als Angela Merkel das Berliner Tempodrom betrat und sich ihren Platz in der vordersten Reihe suchte. Vielleicht erinnerten sich die Besucher an das letzte Jahr, als die Bundesregierung unmittelbar vor der Jahreskonferenz des Rats für Nachhaltige Entwicklung die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke beschlossen hatte. Auch damals war der Empfang “nicht gerade herzlich”, wie Merkel formulierte. Dieser Plan ist inzwischen vom Tisch, offenbar aber gibt es noch immer Zweifler, die nicht daran glauben, dass die deutschen AKWs mittelfristig tatsächlich abgeschaltet werden.

“Wir werden Sie nie ganz zufrieden stellen. Aber wir geben uns Mühe”, sagte Angela Merkel in einer Rede, in der sie durchblicken ließ, dass sie längst nicht alle Einsichten des Rats für Nachhaltige Entwicklung und der Kritiker teilt. Sie wies auf den Konsens hin, darauf, dass der Weg der Nachhaltigkeit sämtliche Menschen mitnehmen muss, sow0hl im Privaten wie in der Wirtschaft. Andererseits gebe es noch viel zu tun. “Die Hoffnungen, die Rio 1992 geweckt hat, sind längst nicht alle erfüllt worden.” Auch sie selbst musste von gewissen Notwendigkeiten überzeugt werden – die Katastrophe von Fukushima lässt sie heute Einsichten teilen, “die andere schon früher hatten”.

Merkel blickte aber auch ins kommende Jahr und darüber hinaus. Der 4. Juni 2012 wird – 20 Jahre nach Rio – zum deutschlandweit gefeierten Tag der Nachhaltigkeit. Das Jahr wird zum Jahr der Nachhaltigkeitsforschung ausgerufen, und an dem Dialog zur Nachhaltigkeit sollen sich auch die Bürger beteiligen – der neue Fortschrittsbericht zur Nachhaltigkeit der Regierung stehe ab sofort abrufbereit im Internet. Das Netz sei für sie ohnehin eine große Hoffnung: “Das Internet macht die Globalisierung erlebbar”, sagte Merkel, und das führe dazu, dass junge Generationen “von Haus aus ganzheitlich denken”. Diese Tatsache mache ihr Hoffnung, dass die Zukunft nachhaltig gestaltet werden könne.

Poetischer Nachhaltigkeitsrat

Wenn der Rat für Nachhaltige Entwicklung am Montag zu seiner 11. Konferenz bittet, wird vieles so sein, wie in den Jahren zuvor. Die Bundeskanzlerin eröffnet die Veranstaltung, und anschließend diskutieren zahlreiche Experten, Moderatoren und Besucher die zahlreichen Themen. Das vage Motto (“…und was bedeutet Nachhaltigkeit?”) verwirrt ein wenig, deutet allerdings daraufhin, dass der Klärungsbedarf auch im Jahr 2011 noch immer groß ist und viele Menschen nicht wissen, was sie konkret mit dem Begriff Nachhaltigkeit anfangen sollen – obwohl (oder gerade weil) der Begriff inflationär gebraucht wird.

Ob der von der Bundesregierung initiierte “Bürgerdialog zur Nachhaltigkeit” im Internet aufklären und eine Anleitung für den Alltag sein kann, ist fraglich. Trotz der guten Idee – Bürger melden sich auf der Website an, ihre Meinungen fließen ein in die nationale Nachhaltigkeitsstrategie – meldeten sich zu der vorigen Runde im letzten Herbst gerade mal 963 User an, um mitzudiskutieren. Eine Fortsetzung gibt’s dennoch: Angela Merkel eröffnet auf der Konferenz die zweite Runde, sie läuft bis zum 30. September.

Zwei hübsche Neuerungen haben sich die Organisatoren dann aber doch noch einfallen lassen. Zum einen findet nach dem offiziellen Programm erstmals ein Bloggertreffen statt, das von Sebastian Backhaus und Christoph Harrach organisiert wird. Und den Schlusspunkt das Tages bildet der erste “dead or alive Poetry Slam” zur Nachhaltigkeit. “Denkanstöße” will Organisator Felix Röhmer geben, und er wird lebende Künstler gegen die Texte berühmter, verstorbener Poeten antreten lassen. Allerdings geht es nicht um das Vortragen von Fachbeiträgen, so Röhmer in einem RNE-Interview. “Slammer kennen alle das Thema und die Probleme, die aus mangelnder Nachhaltigkeit entspringen. Daran werden ihre Beiträge anknüpfen … zum Beispiel beim Thema Konsum. Volker Strübing, der dreifache deutschsprachige Poetry Slam Meister, eine wirkliche Größe dieser Disziplin, wird in einem sehr ironischen Text begründen, warum er nur Fleisch aus Massentierhaltung isst – nämlich weil er keine glücklichen Tiere töten will.”

Doonited bietet Praktikumsplätze

Jeden Tag eine gute Tat, dazu will das Start-up Doonited motivieren. Zur Belohnung erhalten User “Drops”, die bares Geld wert sind, das in soziale Initiativen fließt. In unserer aktuellen Ausgabe berichten wir ausführlicher über Gründer Oliver Stark und seine Idee. Jetzt suchen er und sein kleines Team Praktikanten, die sie tatkräftig unterstützen.

Wo? in Berlin, Doonited sitzt im Betahaus
Wann? ab sofort, aber auch in naher Zukunft
Wofür? für verschiedenste Aufgaben: Recherche, Administration, Akquise, Design, Texte, Social Media Management u.a.
Was sollte man mitbringen? Oliver Stark: “Wir suchen Allrounder oder aber Leute, die bsonders gut in einem Bereich sind. Wichtig sind für uns eine hohe Identifikation mit dem Projekt, soziale Kompetenz und Kommunikationsstärke, fachliche Kompetenz sowie Erfahrung, Eigentständigkeit und Flexibilität für den etwas chaotischen Alltag eines Start-ups. Wir sind ein kleines Team, Du wirst in alle Bereiche involviert. Gute Betreuung ist garantiert, gerne auch im Rahmen einer Bachelor-/Masterarbeit.”

Kontakt: info@doonited.com, Bewerbung bitte inkl. Anschreiben, Lebenslauf und ggf. Referenzen

Nachhaltigkeit im Einzelhandel: Mangelware

Wer Bioprodukte sucht oder Fairtrade-Waren kaufen will, hatte es noch nie so leicht. 40 000 Artikel führt ein deutscher Supermarkt im Schnitt, und die Zahl der Produkte, die nach ökologischen und/oder sozialen Kriterien korrekt und fair hergestellt und gehandelt wurden, wächst. Mit der Nachhaltigkeit steht es im Einzelhandel – einem der größten Arbeitgeber – also gar nicht so schlecht. Könnte man meinen.

Die Münchner Rating-Agentur oekom research kommt zu einem anderen Ergebnis. Für eine neue Studie nahm sie sich 130 der weltweit größten Einzelhandelsunternehmen vor – und musste bereits im ersten Schritt kräftig aussieben. 105 Unternehmen scheiterten gleich zu Beginn aufgrund fehlender Transparenz; sie konnten nicht näher untersucht werden. Von den verbliebenen 25 schaffte es lediglich ein deutscher Konzern ins Ranking: Metro landete auf Platz 11. Als bestes Unternehmen stufte oekom die Schweizer Genossenschaft Coop ein, gefolgt von der Schweizer Migros und der britischen Firma Marks & Spencer.

Laut der Rating-Agentur haben nur wenige Einzelhändler “einen umfangreichen strategischen Ansatz mit klaren Definitionen und Zielsetzungen implementiert, um durch eine nachhaltige Sortimentspolitik soziale und ökologische Produkte zu fördern. Da es keine allgemeingültige Definition dafür gibt, was ein nachhaltiges Produkt ausmacht, ist es wichtig, dass die Retailer hier transparent über ihre Entscheidungskriterien berichten”. Oekom untersuchte u.a., ob die Unternehmen den Kunden Informationen über ihre Produkte zur Verfügung stellen, wie sie ihre Lieferketten gestalten, wie sie mit Ressourcen umgehen und was sie gegen den Klimawandel tun sowie die Frage, ob ihre Mitarbeiter fair entlohnt werden. Auf der Skala von A+ (Bestnote) bis D- lang die Durchschnittsnote bei C+.

Die Zusammenfassung der gesamten Studie gibt es hier als PDF.

Soccket: Ein Fußball, der Strom liefert

Es ist keine Revolution in der Energieversorgung, das sagen die Macherinnen selbst. Aber die Idee ist gut, sie funktioniert – und sie wandert gerade um die Welt. Darum geht es: Vier Harvard-Studentinnen haben für Fußbälle ein neues Innenleben entwickelt. Einen Akku, der sich beim Spielen auflädt, und abends, nach Sonnenuntergang, Strom liefert, zum Beispiel für eine LED-Lampe, die man an den Fußball anschließen kann. 1,4 Milliarden Menschen leben ohne Stromversorgung, rechnet das Quartett auf seiner Webseite vor – und häufig setzen sie Kerosin-Lampen in ihren Wohnungen oder Behausungen ein. Der Nachteil: Der Rauch schädigt die Lungen, der CO2-Ausstoß ist weltweit immens.

Der Energie-Ball hingegen muss nur etwa eine Viertelstunde im Spiel sein, um rund drei Stunden lang Strom zu liefern. Das ist schnell erreicht: Die Begeisterung für Fußball, den weltweit beliebtesten Sport, ist auch in armen, von Krisen, Katastrophen oder Kriegen geplagten Regionen groß. Besonders bei Kindern und Jugendlichen. Und kicken kann man überall, zwei Tore sind schnell markiert oder aufgebaut.

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, bauen die Entwicklerinnen gerade an einem Geschäftsmodell. Möglich ist ein “Buy one, give one”-Modell: Wer also einen sogenannten Soccket-Fußball kauft, finanziert mit seinem Geld einen zweiten, der gespendet wird. Wer direkt spenden will, kann das bereits auf der Homepage tun. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zahl der Helfer schnell wächst in den kommenden Wochen, ist groß: Der spanische Musiker Huecco hat seinen Song “Dame Vida” und das dazugehörige Video dem Projekt gewidmet. Er ist um die Welt gereist und hat zahlreiche prominente Sportler für Soccket begeistert. Mit dabei: die deutschen Nationalspieler Philipp Lahm und Thomas Müller, die spanischen Weltmeister David Villa (FC Barcelona) und Sergio Ramos (Real Madrid) und andere…

Hier geht’s zum Video.