“Raising Resistance”: David gegen Goliath im Gen-Soja-Geschäft
Die Dokumentation “Raising Resistance” erzählt vom Kampf der Kleinbauern in Paraguay gegen den extremen Anstieg der Gen-Soja-Produktion. Mittels beeindruckender Landschaftsaufnahmen und in ungekünstelten Interviews zeigen die Filmemacher Bettina Borgfeld und David Bernet, wie die weltweit steigende Nachfrage nach günstigem Fleisch die Lebensgrundlage so genannter Campesinos zerstört – und, dass der Widerstand in Paraguay wächst
“Soja ist für mich wie eine Bombe. Sie zerstört unsere Lebensgrundlage”, sagt Geronimo Arevalos. Der Kleinbauer aus Paraguay klingt nüchtern, als handle es sich dabei um eine Tatsache, die er schon vor langer Zeit festgestellt hat. Geronimo ist ein Campesino – so die landläufige Bezeichnung für Kleinbauern in Paraguay - die, glaubt man ihm, in einigen Jahren niemand mehr kennen wird: “Bald wird man sich an uns wie an die Steinzeit erinnern.”
Die Dokumentarfilmer Bettina Borgfeld und David Bernet haben Geronimo und weitere Campesinos der kleinen Siedlung Santa Rosa im Osten Paraguays für ihren Film “Raising Resistance” begleitet. Er zeigt den Kampf der Kleinbauern gegen die übermächtige Soja-Industrie, die in der Gegend seit einigen Jahren immer weiter expandiert und den Campesinos ihre Lebensgrundlage und Unabhängigkeit nimmt. Denn die Landwirtschaft in Paraguay befindet sich im Umbruch: Noch vor kurzem war sie vielfältig und ursprünglich, heute ist das Land der viertgrößte Soja-Produzent der Welt.
Anbaufläche für Soja so groß wie die EU
Der Grund für das rasante Wachstum ist die steigende Nachfrage nach Soja vor allem in Europa und Asien. Denn die Bohne wird nicht nur als Rohstoff für die Lebensmittelproduktion verwendet, sondern auch als Futtermittel in der Massentierhaltung eingesetzt – und immer größere Teile der Weltbevölkerung verlangen nach günstigem Fleisch. Deshalb entspricht die Fläche der Soja-Felder in ganz Südamerika mittlerweile der Größe der EU. Das Pestizid, das die Großbauern auf ihren Gen-Soja sprühen, zerstört die Erdnuss- und Maispflanzen der Kleinbauern auf den angrenzenden Feldern fast vollständig. Zudem steht es im Verdacht, krank zu machen. So kommt im Film ein Junge zu Wort, der erblindete, nachdem er mit Freunden im nahe gelegenen Bach spielte. Offenbar hatte die Industrie Fässer mit Resten des Pflanzengifts in dem Gewässer entsorgt.
Doch die Campesinos verstehen das Land als ihres und sind nicht bereit, es kampflos aufzugeben. Schnell wird in der Dramaturgie der Dokumentation klar, dass es sich bei den Kleinbauern um eine Gruppe von Aktivisten handelt, die sich gemeinsam mithilfe einer Landbesetzung Recht verschaffen wollen: „Hier herrscht praktisch Krieg“, behauptet ihr Anführer. Aber auch die Gegenseite in diesem Krieg kommt in „Raising Resistance“ zu Wort. So wirkt ein brasilianischer Soja-Großbauer, dem die Aktivisten seinen Traktor als Arbeitsgrundlage abgenommen haben, im Gespräch mit den Dokumentarfilmern ebenso unzufrieden wie die Campesinos selbst. Auch der Präsident des Landes, Fernando Lugo, äußert sich vor der Kamera. Doch sein Verständnis für die Campesinos scheint angesichts der wirtschaftlichen Abhängigkeit Paraguays vom Soja-Geschäft, ein Lippenbekenntnis zu sein.
Beeindruckende Landschaftsaufnahmen und Widerstand gegen die Großen
„Raising Resistance“ will sich nicht auf eine Seite des Konfliktes stellen, sondern alle Stimmen zu Wort kommen lassen und möglichst objektiv auf das Geschehen blicken. Klar wird aber auch, dass die Dokumentarfilmer Bernet und Borgfeld grundsätzlich Verständnis für die Situation der Bauern, ihr Schicksal, und die Ungerechtigkeit der aktuellen Entwicklungen in Paraguay haben. So wirkt die Dokumentation trotz ausgewogener Auswahl der Protagonisten auf weiten Strecken politisch engagiert. Beeindruckende Landschaftsaufnahmen führen dem Zuschauer die Schönheit der unzerstörten Natur vor Augen, zeigen die extreme Weite der Soja-Felder in gleißender Hitze oder das Panorama eines Protest-Camps im Sonnenuntergang.
Borgfeld und Bernet ist es in “Raising Resistance” gelungen, einen kleinen Ausschnitt des Widerstandes gegen die globalisierte Agrarindustrie in 84 Minuten festzuhalten. Trotz des vergleichsweise kleinen Schauplatzes des Konflikts wirkt ihre Botschaft nach, wenn sich der Zuschauer im Anschluss an den Film Gedanken über seinen Fleischkonsum beim Abendessen machen muss. Am 3. Mai startet “Raising Resistance” in den deutschen Kinos.
Text: Jette Studier







