#4925 – Mustertasche sucht Probeträger
“Die Produktion des Prototypen ist in vollem Gange. Regelmäßig werden Zertifikate, Informationen zu „biologisch abbaubarem“ Leder, Farbmusterkarten oder Zuliefererdaten zwischen Porto und Hamburg hin und her geschickt. Ich vermute das Material zu besorgen und die Suche nach dem besten Bedingungen, dauert fast länger als die Tasche zu nähen. Nein, ich weiß, das es länger dauert. Das ist die wirklich harte Arbeit, wenn es etwas Eigenes sein soll und keine Kopie von dem was man schon kennt und über Jahre hinweg genauso gemacht hat. Aber Ricki, mein Agent, ist ganz zuversichtlich, fast euphorisch, das es Mitte Januar ein erstes Muster geben wird.
In der Zwischenzeit frag ich mich: Was kommt als nächstes, was ist der nächste wichtige Schritt? Ich bin gedanklich schon auf der Fashion Week, im Januar in Berlin. Ich freue mich besonders auf den green fashion event „thekey.to“, auf die neuen Labels und auf die alten Bekannten. Wie gern wär ich endlich auch dabei, auf der anderen Seite der Gänge, mit einem eigenem Stand. Dann würde ich ganz aufgeregt da stehen und warten bis irgendjemand meine Tasche näher betrachtet und ich erfahre wie sie gefällt. Diesen Moment erwarte ich schon mit großer Spannung.
Obwohl ich schon einige Erfahrungen mit selbstnachgefragter Kritik gemacht habe. Es ist toll. Unbeschreiblich aufregend und unglaublich ermutigend. Ich habe bestimmt all meine Freunde und deren Bekanntschaft eingeladen ihre Meinung abzugeben. Einfach so, weil es mir wichtig ist, zu hören was andere über meine Tasche denken.
Taschen sind genauer betrachtet dann doch mehr als nur eine Tasche. Und, wenn man etwas nachfragt, müssen sie auch noch unzähligen Vorstellungen gerecht werden. Kein Wunder das Frau besser eine Tasche mehr als zuwenig hat, keine kann alles.
Was mich aber am meisten bewegt hat, war das unverhofft ausführliche Feedback. Richtig engagiert und detailverliebt. Kein übliches „Ja, nett…“ sondern mit vielen Anregungen und neuen Gedanken. Fast als ob sie das mal los werden wollten. Diese Wertschätzung und die Zeit die sie sich genommen haben, um sich mit einer Idee von einer Tasche zu beschäftigen, das hat mich wirklich beeindruckt.
Danach war mir schnell klar, das will ich ausweiten. Nicht nur mein engstes Umfeld will gefragt und involviert werden, sondern ein größerer Kreis muss her. Mittlerweile gibt es eine Gruppe auf facebook, die sich dafür wunderbar eignet. Ob Logo, Markenname, Farbe oder Material, alles wird bewertet.
Und das ist der wirklich spannende nächste Schritt: die 10 Mustertaschen.
Es wird keine klassische erste Kollektion geben, sondern eine Musterkollektion zum Probetragen. Kein Boutiqueverkauf, kein Presserummel, nur eine Bedingung. Feedback.
Ich werde 10 Taschen produzieren und ausschließlich an Menschen geben, die bereit sind über ihre Erfahrungen und Bedürfnisse zu berichten. Nicht weil ich so gern zuhöre, sondern um all die Erkenntnisse in die Produktion der „Alleskönnertasche“ einfließen zu lassen. Erst wenn alle Entscheidungen zig mal gegengeprüft wurden, erst dann wird es die erste offizielle Kollektion geben.
Diese Tasche soll nicht nur mir gefallen, vor allem soll sie der Trägerin gefallen. Und um das auch für alle weiteren Kollektionen sicher zu stellen, wird es ein immer fortlaufender Prozess bleiben.
Zudem interessiert mich brennend, ob Produkte wirklich besser verkauft werden, wenn Hersteller die Bedürfnisse Ihrer Kunden in den Mittelpunkt stellen. Ich denke das interessiert noch einige andere Unternehmen, den sonst wäre der Run auf Social Media Marketing nicht nachvollziehbar.
Ich finde es fantastisch zu sehen, das die Meinung der Konsumenten wieder eine tragende Rolle in der Herstellung von Produkten bekommt. Und wer es ebenfalls fantastisch findet, diese Möglichkeit auf Meinungsäußerung zu nutzen, der möchte sich doch bitte bei mir melden und meine Mustertasche Probetragen. Oder einem Bekannten davon erzählen
”
Text: Sandra Schittkowski von “For Nine To Five”








