Muhammad Yunus ist nicht mehr Direktor der Grameen Bank. So hat das Oberste Gericht in Dhaka am Dienstag entschieden und damit die Absetzung des Friedensnobelpreisträgers von seinem Amt durch die Regierung bestätigt. Der 70-Jährige hat inzwischen Berufung gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts eingelegt – eine Anhörung ist für kommenden Dienstag angesetzt.

Menschenkette für Muhammad Yunus in Bangladesch
In Bangladesch und zahlreichen anderen Ländern löste der Richterspruch Proteste aus. In Dhaka gingen hunderte Kreditnehmer und Mitarbeiter der Grameen Bank auf die Straße. Sie bildeten eine Menschenkette, um gegen den Rauswurf von Yunus zu demonstrieren. Auch die Weltbank hat die jüngsten Schritte der bangladeschischen Regierung, unter Federführung der Premierministerin Sheik Hasina, verurteilt und kündigt Schritte an, sollte die Unabhängigkeit der Grameen Bank angetastet werden. Weltbank-Chef Robert B. Zoellick schrieb bereits Ende Dezember in einem Brief an das bangladeschische Finanzministerium, dass die Schritte, die derzeit in Bezug auf die Grameen Bank unternommen würden, durchaus widersprüchliche Signale aussendeten, die sage einiges „über die pluralistischen Ansätze des Landes zum Thema Entwicklung und Armutsbekämpfung aus.“ Nicht zu unterschätzen sei überdies die Größe und internationale Tragweite der Grameen Bank, so Zoellick.
Einen ähnlichen Tenor schlug auch US-Außenministerin Hillary Clinton an. Sie hatte am Dienstag mit Muhammad Yunus telefoniert und ließ anschließend von ihrem Referenten per Twitter verlautbaren, sie habe ihre Unterstützung für den Erhalt der Unabhängigkeit der Grameen Bank zugesichert.
Der US-Botschafter in Dhaka, James Moriarty, fand für diplomatische Verhältnisse ungewohnt kritische Worte für die Vorgänge der Regierung Sheik Hasinas. Er nannte die Schritte gegen Yunus eine „unübliche Art und Weise mit einem Friedensnobelpreisträger umzugehen“. Rückendeckung erfährt der „Banker der Armen“ auch vom Norwegischen Nobelkomittee, das in einem Brief die Entscheidung, Yunus als erstem Banker und der Grameen Bank als erster Institution 2006 den Friedensnobelpreis zu verleihen, bekräftigt. In dem Schreiben heißt es: „Die Überprüfung war sogar noch gründlicher, als es sonst ohnehin der Fall ist. Das Komitee beauftragte mehrere internationale und norwegische Spezialisten damit, Yunus und seine Bank zu beleuchten. Wenn eine Bank sieben bis acht Millionen Kreditnehmer hat, ist es ein Leichtes, einzelne negative Beispiele zu finden. Es ist sehr viel schwieriger, das große Ganze zu betrachten. Als das Komitee alles zusammengesetzt und das große und sehr positive Bild hatte, kam es schlussendlich zu dieser Entscheidung.“
Bereits vor einem Monat hatten sich die „Friends of Grameen“ formiert. Ihr Ziel ist es, die Idee der Mikrokredite, insbesondere verliehen von der Grameen Bank, zu verteidigen und zu unterstützen. Angeführt wird die Initiative von Mary Robinson, der ehemaligen Ministerpräsidentin Irlands und früheren UN-Kommissarin für Menschenrechte.
Die Zentralbank hatte den Gründer des Mikrokreditinstituts von seinem Posten als Direktor zum Rücktritt aufgefordert mit der Begründung, er habe das zulässige Rentenalter von 60 Jahren deutlich überschritten. Die bangladeschische Regierung ist mit 25 Prozent größter alleiniger Anteilseigner an der Grameen Bank und hatte zuvor die Berufung Yunus zum Direktor stets gebilligt, eine Amtsfrist wurde nie festgelegt. Fraglich ist nun, warum ausgerechnet jetzt solch massive Schritte gegen Yunus eingeleitet werden.
Den Stein ins Rollen brachte vor kurzem eine TV-Dokumentation, die berichtete, Yunus habe 48 Millionen Dollar Entwicklungshilfegelder aus Oslo veruntreut – diese Vorwürfe wurden mittlerweile von der norwegischen Regierung entkräftet. Hinzu kamen die Selbstmorde indischer Frauen, die einen Kredit bei einem Mikrofinanzinstitut aufgenommen hatten, aber keinen anderen Weg mehr sahen, sich von der Schuldenlast zu befreien. Auch in anderen Ländern wie Mexiko setzten Mikrofinanzinstitute ihre Kreditnehmer mit überzogenen Zinsen von zum Beispiel 80 Prozent unter Druck.
Anhänger Yunus’ sehen in den Schritten einen persönlichen Rachefeldzug von Premierministerin Sheik Hasina. 2007 hatte Yunus eine dritte Partei mit dem Namen „Bürgermacht“ in Bangladesch aufbauen wollen und selbst erwägt, einen politischen Posten zu übernehmen. Stets prangerte er die Korruption in seinem Heimatland an, ließ seine politischen Pläne jedoch nach drei Monaten wieder fallen. Hasina griff ihn damals scharf an: „Er macht Geld, in dem er den Leuten das Blut aussaugt.“
Text: Catharina Swantje Muuß