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Posts Tagged ‘Mikrokredit’

Grameen Bank: Yunus’ Amtsenthebung bestätigt

Das Oberste Gericht in Bangladesch hat die Amtsenthebung von Muhammad Yunus durch die Zentralbank gestern erneut für rechtens erklärt. Ein Weg zurück für Yunus an die Spitze der von ihm ins Leben gerufenen Grameen Bank scheint somit ausgeschlossen. Der ehemalige Direktor der Grameen Bank hatte Berufung gegen das Urteil vom 8. März eingelegt, das die Entscheidung der Zentralbank bestätigte.

Die Zentralbank hatte ihren Schritt damit begründet, dass Yunus’ Einsetzung ohne ihre Zustimmung erfolgt sei. Laut Urteil vom 8.März ist die Amtsenthebung durch die Zentralbank auch rechtens, da der 70-jährige die offizielle Altersgrenze von 60 Jahren überschreite. Ein Statement der Grameen Bank liegt bislang noch nicht vor. Heute wird noch der Vorstand der Grameen Bank angehört – die Aussicht auf Erfolg ist allerdings sehr gering, da wieder dieselben Richter beteiligt sind.

Nach einer Meldung des bengalischen Daily Stars hat Yunus’Anwalt heute morgen beim Obersten Gericht einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens eingereicht (recall petition). Die Richter gaben bekannt, dass der Gerichtshof vom 10. – 24.04 geschlossen sei. Die weitere Bearbeitung des Falls und die Anhörung des Grameen Vorstandes wird daher wohl erst am 3.Mai erfolgen.

Der französische Präsident Sarkozy erklärte ebenfalls im Daily Star, er werde die Entwicklung in diesem Fall weiter verfolgen und das Thema in den nächsten Tagen mit der Regierung Bangladeschs aufgreifen. Die Zukunft der Grameen Bank ist weiter offen, Yunus’ Befürchtung, die Bank könne nun verstaatlicht werden, könnte sich erfüllen.

Die letzten Wochen – Yunus’ Kampf zurück an die Spitze der Grameen Bank und die Unterstützung im Internet, in Bangladesch sind die Menschen für Yunus auf die Straße gegangen.

Foto: Achim Multhaupt, Text: Lea Böttger

Yunus’ letzte Chance am Dienstag?

Cover von Muhammad Yunus jüngstem Buch

Am kommenden Dienstag hat Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus seine wahrscheinlich letzte Chance, seinen Posten als Direktor der Grameen Bank zurückzubekommen. Er hatte gegen das Urteil des Gerichts Berufung eingelegt, das seine Absetzung durch die Zentralbank als rechtens bestätigt hatte.

Unterdessen erfährt der „Banker der Armen“ auch weiterhin überwiegend Unterstützung. So äußerte sich etwa Stefan Knüppel von Opportunity International „Wie sich uns die Lage darstellt, versucht die Regierung Bangladeshs, Yunus mit vorgeschoben Gründen aus der Grameen Bank zu drücken. Dabei werden weder belastbare Beweise für Fehlverhalten vorgelegt, noch ist das Verfahren legitim oder transparent. Hier soll eine alte Rechnung beglichen werden“, so Stefan Knüppel. Auch er spricht damit die Parteipläne Yunus’ von 2007 an, die nach Meinung der Anhänger des Ökonomen dazu geführt hätten, sich den Zorn von Premierministerin Sheik Hasina zuzuziehen.

Sir Fazle Hasan Abed, Gründer des Mikrokredit-Instituts BRAC bestätigte in einem Statement die Wichtigkeit der Grameen Bank für die Bekämpfung von Armut in Bangladesh, er sagte: “Im Namen von BRAC äußere ich meine Bedenken bezüglich der jüngsten Entwicklung die Grameen Bank betreffend. Die Grameen Bank ist eine extrem wichtige Institution, mit 8,3 Millionen Kunden – den Ärmsten der Armen. Dem Wohlergehen der Kreditnehmer und einem beständigen Fortgang dieser Institution muss oberste Priorität in jeglicher Entscheidung die Grameen Bank betreffend eingeräumt werden.“

Unterdessen werden die Unterstützer von Grameen und Yunus in der Facebook-Gruppe Support Yunus dazu aufgerufen, ihre Profilbilder in der Grameen-typische Karomuster zu ändern oder regionale Events zu organisieren, um vor Botschaften und Konsulaten Bangladeschs für den Nobelpreisträger zu demonstrieren. Über diese und andere Gruppen und Online-Petitionen hatten wir hier schon berichtet.

Grameen Bank Kreditnehmer bilden Menschenkette für Muhammad Yunus

Muhammad Yunus ist nicht mehr Direktor der Grameen Bank. So hat das Oberste Gericht in Dhaka am Dienstag entschieden und damit die Absetzung des Friedensnobelpreisträgers von seinem Amt durch die Regierung bestätigt. Der 70-Jährige hat inzwischen Berufung gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts eingelegt – eine Anhörung ist für kommenden Dienstag angesetzt.

Menschenkette für Muhammad Yunus in Bangladesch

In Bangladesch und zahlreichen anderen Ländern löste der Richterspruch Proteste aus. In Dhaka gingen hunderte Kreditnehmer und Mitarbeiter der Grameen Bank auf die Straße. Sie bildeten eine Menschenkette, um gegen den Rauswurf von Yunus zu demonstrieren. Auch die Weltbank hat die jüngsten Schritte der bangladeschischen Regierung, unter Federführung der Premierministerin Sheik Hasina, verurteilt und kündigt Schritte an, sollte die Unabhängigkeit der Grameen Bank angetastet werden. Weltbank-Chef Robert B. Zoellick schrieb bereits Ende Dezember in einem Brief an das bangladeschische Finanzministerium, dass die Schritte, die derzeit in Bezug auf die Grameen Bank unternommen würden, durchaus widersprüchliche Signale aussendeten, die sage einiges „über die pluralistischen Ansätze des Landes zum Thema Entwicklung und Armutsbekämpfung aus.“ Nicht zu unterschätzen sei überdies die Größe und internationale Tragweite der Grameen Bank, so Zoellick.

Einen ähnlichen Tenor schlug auch US-Außenministerin Hillary Clinton an. Sie hatte am Dienstag mit Muhammad Yunus telefoniert und ließ anschließend von ihrem Referenten per Twitter verlautbaren, sie habe ihre Unterstützung für den Erhalt der Unabhängigkeit der Grameen Bank zugesichert.

Der US-Botschafter in Dhaka, James Moriarty, fand für diplomatische Verhältnisse ungewohnt kritische Worte für die Vorgänge der Regierung Sheik Hasinas. Er nannte die Schritte gegen Yunus eine „unübliche Art und Weise mit einem Friedensnobelpreisträger umzugehen“. Rückendeckung erfährt der „Banker der Armen“ auch vom Norwegischen Nobelkomittee, das in einem Brief die Entscheidung, Yunus als erstem Banker und der Grameen Bank als erster Institution 2006 den Friedensnobelpreis zu verleihen, bekräftigt. In dem Schreiben heißt es:  „Die Überprüfung war sogar noch gründlicher, als es sonst ohnehin der Fall ist. Das Komitee beauftragte mehrere internationale und norwegische Spezialisten damit, Yunus und seine Bank zu beleuchten. Wenn eine Bank sieben bis acht Millionen Kreditnehmer hat, ist es ein Leichtes, einzelne negative Beispiele zu finden. Es ist sehr viel schwieriger, das große Ganze zu betrachten. Als das Komitee alles zusammengesetzt und das große und sehr positive Bild hatte, kam es schlussendlich zu dieser Entscheidung.“

Bereits vor einem Monat hatten sich die „Friends of Grameen“ formiert. Ihr Ziel ist es, die Idee der Mikrokredite, insbesondere verliehen von der Grameen Bank, zu verteidigen und zu unterstützen. Angeführt wird die Initiative von Mary Robinson, der ehemaligen Ministerpräsidentin Irlands und früheren UN-Kommissarin für Menschenrechte.

Die Zentralbank hatte den Gründer des Mikrokreditinstituts von seinem Posten als Direktor zum Rücktritt aufgefordert mit der Begründung, er habe das zulässige Rentenalter von 60 Jahren deutlich überschritten. Die bangladeschische Regierung ist mit 25 Prozent größter alleiniger Anteilseigner an der Grameen Bank und hatte zuvor die Berufung Yunus zum Direktor stets gebilligt, eine Amtsfrist wurde nie festgelegt. Fraglich ist nun, warum ausgerechnet jetzt solch massive Schritte gegen Yunus eingeleitet werden.

Den Stein ins Rollen brachte vor kurzem eine TV-Dokumentation, die berichtete, Yunus habe 48 Millionen Dollar Entwicklungshilfegelder aus Oslo veruntreut – diese Vorwürfe wurden mittlerweile von der norwegischen Regierung entkräftet. Hinzu kamen die Selbstmorde indischer Frauen, die einen Kredit bei einem Mikrofinanzinstitut aufgenommen hatten, aber keinen anderen Weg mehr sahen, sich von der Schuldenlast zu befreien. Auch in anderen Ländern wie Mexiko setzten Mikrofinanzinstitute ihre Kreditnehmer mit überzogenen Zinsen von zum Beispiel 80 Prozent unter Druck.

Anhänger Yunus’ sehen in den Schritten einen persönlichen Rachefeldzug von Premierministerin Sheik Hasina. 2007 hatte Yunus eine dritte Partei mit dem Namen „Bürgermacht“ in Bangladesch aufbauen wollen und selbst erwägt, einen politischen Posten zu übernehmen. Stets prangerte er die Korruption in seinem Heimatland an, ließ seine politischen Pläne jedoch nach drei Monaten wieder fallen. Hasina griff ihn damals scharf an: „Er macht Geld, in dem er den Leuten das Blut aussaugt.“

Text: Catharina Swantje Muuß

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Das Geheimnis ist gelüftet – und so sieht das Cover der zweiten Ausgabe unseres Magazins aus. Also: Schnell hin zum Buchladen, Kiosk und vor allen den Buchhandlungen in den Bahnhöfen! Denn ab heute liegt die druckfrische zweite Ausgabe unseres enorm Magazins aus! Bequemer geht’s per Post als Einzelheftbestellung oder gleich als Abo!

Ein dickes, dickes Lob an die Grafik-Designerin Julia Wolf aus Berlin und ihre phänomenale 3D-Grafik aus Bindfäden zum Thema Mikrokredite.

fairliebt – T-Shirts, mehr als nur fair, aus Hamburg

Vor vier Jahren gründeten Wiebke Hövelmeyer und Mathias Ahrberg in Hamburg das kleine T-Shirt Label fairliebt. Erst war es nur ein Stapel T-Shirts, der im Siebdruckverfahren mit den Lieblingsmotiven der Beiden bedruckt wurde. Weiterlesen »

Business Education – interessanter Artikel bei FT.com

Wenn man über Social Business spricht, kommt zwangsläufig auch die Sprache auf den Nobelpreisträger Muhammad Yunus. Zwar entstehen weltweit auch immer mehr Social Business Netzwerke und Projekte ohne das Zutun des Grameen Bank Gründers – den Grundstein für die neue, und sozial verträgliche, Art des Wirtschaftens hat aber wohl Yunus mit seiner Idee der Mikrokredite an die Armen gelegt. Weiterlesen »

Von der Leyens Mikrokreditfonds

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat zu Beginn des Jahres den „Mikrokreditfonds Deutschlands“ vorgestellt. 100 Millionen Euro werden für die Mini-Darlehen bis 2015 zur Verfügung gestellt. 60 Millionen werden dem Europäischen Sozialfonds entnommen, die restlichen 40 Millionen stammen aus dem Haushalt des Bundesarbeitsministeriums. Weiterlesen »